Aktionsbericht: Return Service non stop
„Unsere Münchner Freiheit: non stop zu über 1.000 Zielen weltweit“
So preist ein knapp 100 Meter breites Plakat am Terminal 2 die Qualitäten des Münchner Flughafens an. Dass die „Münchner Freiheit“ des Flughafens auch darin liegt, über 2000 Abschiebungen im Jahr in Krisenherde wie nach Somalia oder den Irak durchzuführen, konnten dagegen über 200 DemonstantInnen am 6. August den Reisenden am Flughafen mitteilen.
Am Flughafen? Geht denn das?
Bisher galt der Flughafen (wie auch der Hauptbahnhof) als „Demo-freie Zone“. Zu groß, so befürchtete das KVR, sei das Sicherheitsrisiko. Wohl eher sollte durch das Demonstrationsverbot verhindert werden, dass eine breite Öffentlichtkeit die Proteste verfolgen kann. Das Bundesverfassungsgericht hat allerdings Anfang des Jahres geurteilt, dass solche „Demo-freien Zonen“ an Flughäfen und Bahnhöfen gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit verstoßen würde. Die bisher üblichen Demonstrationsverbote an Flughäfen können dem Gericht zufolge nicht auf den “Wunsch gestützt werden, eine Wohlfühlatmosphäre in einer reinen Welt des Konsums zu schaffen, die von politischen Diskussionen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen frei bleibt“. Trotz diesem höchstrichterlichen Urteil versuchten das Landratsamt Erding und das Verwaltungsgericht München, die Demonstration zu verbieten. Wenn die Terminalzugänge „mit 100 Versammlungsteilnehmern versperrt oder blockiert werden, besteht in Notsituationen eine Gefährdung von Gesundheit und Leben von Passanten, Versammlungsteilnehmern, Flughafenpersonal und Fluggästen“, lautete die Begründung für das Verbot. Der Bayerische Flüchtlingsrat klagte dagegen – und bekam Recht. Allerdings durften nur 30 DemoteilnehmerInnen das Terminal 2 betreten – alle anderen sollten im „MAC-Forum“ (Zwischen Terminal 1 und 2) warten.
Abschiebe-Airlines
Dem Aufruf des Bayerischen Flüchtlingsrates folgten über 200 DemonstrantInnen, die lautstark gegen die „Abschiebe-Airlines“ wie Lufthansa, Air Berlin oder Air France, die mit dem schmutzigen „Rückführungsgeschäft“ Profite machen. Wieder einmal zeigt sich, dass private Unternehmen für Profit alles tun. 2011 konnten bisher 14 Abschiebungen in München verhindert werden – nicht weil die Fluggesellschaften sich weigern würden, sondern weil sie „Unruhe im Flugzeug“ und darauf folgende Klagen von Passagieren fürchteten. „Die Abschiebebehörden benutzen desöfteren auch Fixierungsjacken, die den Flüchtlingen keine Bewegungsfreiheit lassen, jedoch wie normale Jacken aussehen.“, berichtete Chris Feilitz von der SDAJ am Rande der Demonstration. „Ganz richtig ist deswegen auch die Forderung, die der Aktivist der Karawane München in seinem Redebeitrag formulierte: Abschiebe-Airlines enteignen!.“ Auf dem Transparent der SDAJ war zu lesen: „Hiergeblieben! – dauerhaftes Bleiberecht für alle!“
Die neuen Sündenböcke
Auch MedienvertreterInnen waren vor Ort. So kam ein kurzer Ausschnitt in der Tagesschau, die Abendzeitung berichtete in 8 Zeilen und die Süddeutsche sparte sich die Druckerschwärze gleich ganz.
In Zeiten, in denen die Medien lieber gegen „arbeitsfaule Ausländer“ oder „Sozialschmarotzer“ berichten, ist dies nicht ganz verwunderlich. So bezeugten die Leserkommentare in der Abendzeitung wieder einmal, welche rassistischen Meinungen mittlerweile die Mehrheit in Deutschland darstellen. Und die Strategie der Herrschenden scheint aufzugehen: Während ein Rassist wie Sarrazin in der ach so sozialen SPD bleiben darf, lässt sich die Linkspartei von bürgerlichen Antisemitismus-Vorwürfen fesseln. Die neuen Sündenböcke sind die „Islamisten“ oder die „kriminellen Ausländer“. Schritt für Schritt werden Randgruppen isoliert und so angreifbar gemacht.
Für uns als SDAJ ist klar: Die Spalterei dient nur dazu, die Arbeiterklasse zu schwächen.
Statt dass gegen diejenigen gekämpft, die sich tagtäglich an der Arbeit von uns bereichern, die Kapitalisten, sollen sich die Lohnabhängigen gegenseitig bekriegen. Kein Wunder, dass in Zeiten der Krise des Kapitalismus der staatliche Rassismus zunimmt, rechte Parteien wie „Die Freiheit“ zulauf gewinnen und die bürgerlichen Medien sich auf die Randgruppen einschießen.
Für uns ist klar:
Wir werden uns nicht spalten lassen!
Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Oben und Unten!
Gegen Abschiebungen – Für globale Bewegungsfreiheit
Aufruf zur Demonstration im Münchener Flughafen
Am Samstag, 6. August
Treffpunkt: 12:30 Uhr am Hauptbahnhof (Service Point in der Gleishalle)
Auftakt: 14 Uhr im MAC-Forum im Flughafen (Freifläche zwischen Terminal 1&2)
Wir dokumentieren den Aufruf des Bayerischen Flüchtlingsrates
Millionen Urlaubsreisenden gilt das „Tor zur Welt“ als Sprungbrett ins erholsame Vergnügen, Geschäftsleuten nutzen das Luftverkehrskreuz wie selbstverständlich zum zunehmend globalen Marketing. Gleichzeitig ist der Flughafen für die Grenzpolizei eine EU-Außengrenze, gleichermaßen Kontrollposten und Abschiebeplattform. Dementsprechend erleben Tausende von MigrantInnen und Flüchtlinge schon bei ihrer Ankunft den Flughafen München als Nadelöhr für rassistische Kontrollen und Internierung oder später als Endstation vor der Abschiebung.
Im täglichen Unrecht der Ausgrenzungen und Abschiebungen am Flughafen spiegelt sich ein modernes Apartheidsystem wieder, das in erster Linie Menschen aus dem „globalen Süden“ ihr Recht auf Bewegungsfreiheit verwehrt. Kapitalismus im 21. Jahrhundert ist ohne globales Lohn- und Ausbeutungsgefälle nicht denkbar. Es wird konstruiert mittels Ungleichheit, Hierarchisierung, Zonierung, sowohl entlang innerer und noch mehr entlang äußerer Grenzen. Ob im Mittelmeer mit Frontex-Schiffen gegen Boatpeople oder an Flughäfen mit Abschiebungen von Sans Papiers: das häufig tödliche und immer gewaltförmige EU-Grenzregime dient der Aufrechterhaltung einer ungerechten Weltordnung.
895 Menschen wurden laut offizieller Statistik 2010 vom Münchener Flughafen abgeschoben, dazu kommen noch ca. 1 700 sogenannte “Zurückschiebungen” und direkte “Zurückweisungen”. Damit ist der Münchener Flughafen nach den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf einer der wichtigsten deutschen Abschiebeflughäfen!
Der Flughafen ist Tatort permanenter Menschenrechtsverletzungen! – Abschiebungen stoppen!
Das bedeutet, dass jedes Jahr mehr als 2000 Menschen vom Flughafen München aus abgeschoben werden – jede einzelne Abschiebung ist zu viel! Abschiebung bedeutet, dass ein Mensch gewaltsam von FreundInnen und Familie, von ihrem/seinem Leben hier in Deutschland, getrennt wird. Abschiebung bedeutet, dass die Träume einer Person, die nach einem besseren Leben, nach einer besseren Zukunft, nach Lebensunterhalt für sich und für zu Hause gebliebene Angehörige gesucht hat, brutal zerstört werden. Und Abschiebung bedeutet auch, dass jemand, die/der Sicherheit und Schutz gesucht hat, nachdem sie/er vor Verfolgung und Unterdrückung, vor Krieg und Armut, vor Folter und Vergewaltigung, geflohen ist, in die schreckliche Situation zurückgeschickt wird, aus der sie/er zuvor entkommen ist. Einziges Verbrechen von MigrantInnen und Flüchtlingen: Sie haben den falschen Pass.
Demonstrationsverboten an Flughäfen hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich endgültig den Riegel vorgeschoben. Denn das Verbot, Flugblätter zu verteilen, so das Urteil, kann nicht mehr auf den „Wunsch gestützt werden, eine Wohlfühlatmosphäre in einer reinen Welt des Konsums zu schaffen, die von politischen Diskussionen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen frei bleibt. Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtspositionen einschränken darf.“
Nach einer großartigen Demonstration im Frankfurter Flughafen im Juni diesen Jahres, wollen wir den Protest nun auch in den Münchener Flughafen hineintragen!
Kommt zur Demo am Samstag, den 6. August, und zeigt den deutschen Behörden und involvierten Fluggesellschaften euren Protest gegen das schmutzige Geschäft mit Abschiebungen!




